Die Liquiditätsplanung wird Dich Dein ganzes Leben als Unternehmer*in begleiten. Als Gründer*in benötigst Du sie für Deinen Businessplan, den Du bei der Agentur für Arbeit zur Erlangung Deines Gründungszuschusses einreichst. Oder Deine Bank verlangt eine Liquiditätsplanung, um Deinen Kapitalbedarf zu prüfen.

Dabei ist die Liquiditätsplanung nur einer von mehreren Bausteinen der Rentabilitätsvorschau. Natürlich benötigst Du auch eine Investitionsplanung, eine Übersicht der Mittelherkunft und der Mittelverwendung und schließlich eine Plan-GuV, also eine Gewinn- und Verlustrechnung für die ersten Jahren. Bei Kapitalgesellschaften kommen noch eine Eröffnungsbilanz und eine Plan-Bilanz hinzu.

Warum eigentlich Liquiditätsplanung?

Viele Gründer*innen haben noch nie eine Liquiditätsplanung, auch Budget oder Cash-Flow-Planung genannt, erstellt. Oft ist gar nicht klar, was zu berücksichtigen ist und vor allem: wie? Im Internet bekommst Du unter dem Schlagwort Businessplan knapp 3 Mio. Ergebnisse, für Liquiditätsplan werden hingegen nur ca. 80.000 Resultate angezeigt. Aber die Quantität ist ja bekanntlich nicht entscheidend. Denn die Vorlagen, die man im Internet erhält, sind oft keine große Hilfe.

Im Gegenteil: wenn Du ohne Vorkenntnisse diese Templates verwendest, unterlaufen Dir oftmals gravierende Fehler. So wird die Umsatzsteuer und die Vorsteuer nicht richtig berechnet, wichtige Positionen wie betriebliche Steuern fehlen oder Investitionen werden nicht fristenkonform abgeschrieben. Solche Fehler entlarvt Deine Bank natürlich sofort und etwaige mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse tragen verständlicherweise nicht zu einer positiven Kreditentscheidung bei.

Apropos Kredit: natürlich müssen auch Zinsen und Tilgung berücksichtigt werden. Auch Arbeitsämter und deren fachkundigen Stellen können über Fehler in der Liquiditätsplanung nicht hinwegsehen.

Kann ich meine Liquiditätsplanung abgeben?

Vielleicht hast Du jetzt auch die Idee, einfach Deine Steuerberatung zu beauftragen. Davon raten wir ab, denn das löst Dein Problem im besten Fall für den Moment. Du lernst dabei ja nicht, wie Du Deine nächste Liquiditätsplanung erstellst. Und woher soll Deine Steuerberatung Deine Umsätze, Deinen Wareneinsatz und Deine Kosten kennen? Abgesehen davon beschäftigen sich Steuerberatungen eher mit der Vergangenheit, also dem Verbuchen von Geschäftsvorfällen.

Das Planen von Neugründungen gehört ebenso wenig zu den Kernkompetenzen einer Steuerberatung, wie eine Gründungsberatung für die Erstellung Deiner Steuererklärung qualifiziert ist. Das ist ungefähr so, als würdest Du mit Zahnschmerzen um Orthopäden gehen – schließlich ist das ja ein Arzt.

So geht erfolgreiche Liquiditätsplanung

Du wirst als Unternehmer*in nicht umhinkommen, Dich selbst intensiv mit Deinen Zahlen zu beschäftigen, seien es die Planzahlen, also die Soll-Zahlen, oder die tatsächlichen Zahlen, also die Ist-Zahlen. Daher möchten wir Dir heute einige Tipps für die Erstellung Deiner Rentabilitätsvorschau geben:

  • Informiere Dich zunächst einmal über gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Hierzu zählt die AfA-Tabelle für Deine Investitionen pder auch die Steuerbarkeit Deiner Leistungen und die Höhe der Umsatzsteuer, die für Dich zutrifft.
  • Verwende Excel! Verzichte auf Tools, die im Internet angeboten werden. Diese Tools sind nicht so flexibel wie Excel und Du kannst Deine Geschäftsvorfälle nicht immer vollständig abbilden.
  • Stell zunächst ein Template für den Cashflow auf und berücksichtige Einnahmen, Investitionen, Ausgaben. Weiterhin solltest Du Zins und Tilgung, Umsatzsteuer und Vorsteuer und schließlich Rückstellungen, bzw. Steuern erfassen.
  • Führe die Planung auf monatlicher Basis durch. Für jedes Jahr solltest Du ein Excel-Sheet verwenden und Deine Planung sollte mindestens 3 Jahre, also 36 Monate umfassen.
  • Erstelle eine Investitionsplanung. Diese kannst Du als Anlagespiegel verwenden und fristenkonforme Abschreibungen durchführen.
  • Sei in Deiner Planung sehr ausführlich oder kleinteilig. Verwende also bspw. nicht nur den Oberbegriff Raumkosten, sondern unterteile in Miete, Nebenkosten, Strom, Reinigung, etc. Das hilft Dir, eine besseren und somit genauere Liquiditätsplanung aufzustellen. Wenn Du Deine Planung an Dritte, wie Deine Bank oder die Arbeitsagentur weitergibst, kannst Du die Detailplanung gerne ausblenden.
  • Selbstverständlich ist es wichtig, dass Du Deine Umsätze, Kosten und Investitionen realistisch einschätzt. Mach bitte nicht den Fehler und glaube, Dein Geschäft brummt ab dem dritten Monat. Es dauert meist 2-3 Jahre bis Dein Geschäft etabliert ist – selbst in Top-Lagen!
  • Ermittle das zur Verfügung stehende Eigenkapital und den Kapitalbedarf Deiner Gründung. Dieser ergibt sich aus den Investitionen und den benötigten Betriebsmitteln, die Du für die Anfangsphase oder für saisonale Dellen benötigst.

Hast Du Fragen zur Liquiditätsplanung?

Du hast sicherlich schon gemerkt, dass es sich nicht um eine ganz triviale Übung handelt und dass die Umsetzung eine große Herausforderung für Gründer*innen und auch gestandene Unternehmer*innen darstellt. Hilfe erhältst Du bei der IHK, bei der Handwerkskammer oder auch gerne bei uns.

Wenn Du Unterstützung bei Deiner Liquiditätsplanung benötigst oder Fragen zu den Finanzierungsmöglichkeiten hast, wende Dich bitte an uns. Du kannst uns einfach anrufen, eine Email senden oder ein kostenloses Info-Gespräch vereinbaren. Du kannst auch gerne bei unserem Businessplan-Seminar oder unserer offenen Fragerunde „Frag den Profi“ hereinschauen. Wir freuen uns auf Dich!

Unser nächster Newsletter beschäftigt sich mit der Kapitalbeschaffung – also dem nächsten logischen Schritt nach der Ermittlung des Kapitalbedarfs.